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Geschichte

Der Stammbaum des Theater am Dom führt zurück bis in den Herbst des Jahres 1949. Eine Handvoll Schauspieler, gründeten im „British Center“ das Westdeutsche Zimmertheater unter der künstlerischen Leitung von Hubertus Durek.

Eröffnungsvorstellung war „Ein Inspektor kommt“ von Priestley. Es folgten Gastspiele mit Stücken von Hausmann, Schiller, Goldoni sowie mit Zeitstücken von Cocteau, Claudel und Greene. Während der folgenden Jahre, in denen im Hotel „Timp“ am Heumarkt und in der so genannten „Tönenden Partitur“, zwischen dem WDR und dem Café Reichard gespielt wurde, fanden auch regelmäßig Theateraufführungen englischer, amerikanischer, französischer und italienischer Autoren in den jeweiligen Kulturinstituten  statt. 1957 zog das Theater dann an die Komödienstrasse/Burgmauer, wo das Westdeutsche Zimmertheater sich mit Blick auf den Dom umbenannte. Das war die Geburt des THEATER AM DOM.

Es gab eine Bühne und 150 Sitzplätze. Die festliche Eröffnung erhielt ihren besonderen Glanz durch Bernhard Minetti, der die „Theaterprobe“ aus dem „Wilhelm Meister“ vortrug  und mit einem Essay von Christopher Frey über „Zeitgenössisches Theater“ zur Premiere von „Ein Phönix zuviel“ vom selbem Autor überleitete. Rosemarie Fendel spielte die Dynamene.

Das Prinzip des Studiospielplans wurde angestrebt und umfasste aktuelles Zeittheater von Sylvanos, Brecht, Maeterlink, Jules Roy, Paul Kornfeld, Syberberg, Klassiker wie Goldoni, Schiller, Goethe, Sophokles, Shaw, Strindberg, bis Mariveaux. Aber auch avantgardistische und experimentelle Stücke von Ionesco, Vauthier, sowie Boulevard-
komödien, Kabarettrevuen, Musicals und Kammeropern wurden gezeigt. Das Theater etablierte sich mit seinem anspruchsvollen  Spielplan und sorgte durch viele Ur- und Erstaufführungen dafür, dass es auch international bekannt wurde. Zum Beispiel inszenierte der junge Peter Zadek aus London die deutsche  Erstaufführung von Vauthiers „Kapitän Bada“ und anschließend von Ionesco „Die kahle Sängerin“ und „ Die Unterrichtsstunde“.

Ionesco besuchte eine dieser Vorstellungen und gab aufgrund dieser Inszenierung dem Theater am Dom die Uraufführung seines Stückes „Die Zukunft liegt in den Eiern“. Als besonders aktuelle  Auseinandersetzung mit der Gegenwart galt die Aufführung von Sylvanus` „Korczak und die Kinder“.

Musikalisch erfolgreich war das Theater mit Lortzings` „Die Opernprobe“, Mozarts „Bastien und Bastienne“, Rossinis „La cambiale di matrimonio“ und mit Kammeroper „La serva Padrona“ von Pergolesi im Innenhof des Wallraf-Richartz-Museum und im Schloss Brühl.

Unter den damals noch relativ konservativen Theateraufführungen waren die „Originale“ Ende 1961 in der Regie von Karlheinz Stockhausen eine Sensation der Theater-
präsentation. Schon das Bühnenbild von Mary Bauermeister verhieß Außergewöhnliches. An der Decke baumelten ein Aquarium, mit Goldfischen, Käfige mit Wellensittichen und weißen Tauben, eine große  Stoppuhr hing an der Szenenrückwand. Die Malerin selbst  spritzte fluoreszierende Farben auf eine Riesenleinwand. Die Instrumentalpartien von Stockhausens elektronischen  Kompositionen übernahmen Cristof Caskal an einer Schlagzeug-Festung und David Tudor  im Fechterdress am Piano. Nam June Paik stieg mit wilden Schreien in eine mit Wasser gefüllte Badewanne, nachdem er sich eine Tüte Mehl über den dunklen Anzug rieseln ließ. Die Zeitungen schrieben: „Sinn und Unsinn, Kunst und Ulk, Lachen und Weinen, das alles liegt haarscharf nebeneinander, darüber hinaus liegt aber über allem der Funke jenes  Dadaismus, der vor einem halben Jahrhundert an die Öffentlichkeit trat.“ Diese Aufführung erregte die gesamte Pressewelt und gab Anlass zu Kontroversen, die über den deutschen Sprachraum hinausgingen.


Nicht zuletzt aber beruhte der große Erfolg des Theaters auf einem Kreis von erstklassigen Schauspielern die quasi ein festes Ensemble bildeten. Und auf dem couragierten Theaterleiter Hubertus Durek, dessen Gespür für die richtigen Stücke und seiner künstlerisch-ambitionierten Experimentierfreudigkeit. Eine Leistung, der Anerkennung gebührt und die ihren Höhepunkt in der Eröffnung  des Theater am Dom 1964 in der Schweizer Ladenstadt (heute Opernpassagen) hatte. Der Raum im neuen Haus bot 376 Zuschauern Platz und das Publikum konnte die Bühne von drei Seiten einsehen. Die Eröffnungspremiere wurde Peter Ustinov`s „ Endspurt“. Was damals geleistet wurde, zeigt der Spielplan jener Tage: Neben Einaktern von Tschechow standen „Das Drachenmaul“ von Pristley, „Der Manager“ von Marceau, „Das Missverständnis“ von Camus. Man konnte Lil Dagover in „Eine etwas sonderbare Dame“, oder Gisela Uhlen in „Olivia“ sehen, es gab den Krimi „Gaslicht“, die Musicals „Kiss me Kate“, „Irma la Douce“ und   „Cyprienne“. In diese Zeit fallen  auch die ersten Engagements von Schauspielern aus Film und Fernsehen, wie z.B. Carl-Heinz Schroth, Grete Weiser, Heidi Brühl, Harald Juhnke, Ilse Werner, Johannes Heesters und Gunther Philipp, die später die Anziehungs-
kraft des Theater am Dom als Boulevardbühne ganz wesentlich mitbestimmten.

 

1967, mit der Eröffnung der „Tribüne“ getauften zweiten Spielstätte im selben Haus, mit knapp 200 Plätzen, konnte man das künstlerische Anliegen noch einmal neu definieren. Zeitstücke im weitesten Sinn sollten Anstoß geben für künstlerische und öffentliche Auseinandersetzungen. Im Gegensatz zum so genannten „Großen Haus“, in dem nun überwiegend Komödien gespielt wurden, kamen als Kontrastprogramm in der „Tribüne“  moderne, zeitgenössische Autoren, wie Handke, Fassbinder, Hacks oder Kohout zu Wort.
Auch junge Regisseure  bekamen hier ihre Chance. Es sei nur der spätere Kölner Schauspiel-Intendant Jürgen Flimm genannt, der Peter Handkes „Publikums-
beschimpfung“ inszenierte. Für die Eröffnungspremiere, der absurden Tragödie „Das Wasserhuhn“ von Witkiewicz, eine westdeutsche Erstaufführung, holte Hubertus Durek den jungen polnischen Regisseur Jan Biczycki.. Das Theater am Dom war als fester Bestandteil im Kölner Kulturleben nicht mehr wegzudenken.

Durch die Schaffung der Tribüne ergab sich die Möglichkeit auch wieder mehr junge Leute für Theater zu interessieren. So entstand die Sparte Kinder und Jugendtheater, welche mit dem Märchen „Frau Holle“ ihren Anfang nahm. Mit den Stücken sollten  alle Altersklassen erreicht werden. Für die Grundschulkinder gab es z.B. Paul Maar`s „Kikerikiste“, für die 10-14 jährigen „Jupiter 13“ ein aktuelles Mitmach-Aktionstheater und für die Abschluss-
klassen “Michael Kohlhaas“ nach Kleist. Über 150 Gastspiele innerhalb einer Spielzeit führte die Tribüne der Jugend ins Kölner Umland, außerdem wurde regelmäßig Freilichttheater gespielt. Für die Schulen waren darüber hinaus Klassiker wie“ Leonce und Lena“ von Büchner oder „Was ihr wollt“ von Shakespeare im Repertoire.


Hubertus Durek versuchte seine ideenreichen Visionen in die Tat umzusetzen, aber trotz scheinbar idealer Voraussetzungen und fast immer ausverkaufter Aufführungen blieben finanzielle Sorgen nicht aus. Das ungesunde Einnahme – Kostenverhältnis belastete die Theaterarbeit immer mehr. Durek, mehr Künstler als Kaufmann, produzierte zu teuer, so dass es 1970 zu einer Finanzkrise kam.

Der Neuanfang wurde nur mit Hilfe der Stadt Köln, der Besucherorganisation Freie Volksbühne und der Theatergemeinde möglich, die eine GmbH gründeten. Sie setzten eine Geschäftsführung ein und garantierten Durek seine künstlerische Freiheit und die Intendanz. Doch damit waren die turbulenten Jahre keineswegs vorbei. 1975  befand sich das Theater erneut im Bereich der roten Zahlen. Die Tribüne musste geschlossen werden  und obwohl es hinsichtlich der Platzausnutzung die Traumzahl von 95% erreichte, drohte das Aus. Stadt und Besucherorganisation stiegen aus der GmbH aus und es fand sich eine neue Trägergemein-schaft: Inge Durek und Barbara Heinersdorff..

Hubertus Durek behielt die  künstlerische  Leitung, Inge Durek und Barbara Heinersdorff übernahmen die Geschäftsführung. Die Krise wurde überwunden, das Theater am Dom stabilisierte sich und konzentrierte sich ab jetzt auf Komödien. 1981 schied Hubertus Durek mit dem  Erreichen der Altersgrenze aus. Ab diesem Zeitpunkt entschieden Inge Durek und Barbara Heinersdorff alles gemeinsam, vom Spielplan bis hin zum letzten Engagement. Der große Erfolg der beiden Direktorinnen zeigt sich in treuen Zuschauern und belohnt das Theater mit hohen Auslastungsquoten und einer großen Anzahl von Abonnenten. Aber solche Anhänglichkeit wird auch hart erarbeitet: Jede der jährlich vier Produktionen  wird fast drei Monate  en - suite durchgespielt. Erfahrene und professionelle Schauspieler und Regisseure  bewiesen und beweisen jeden Abend ihr Können. Seit mehr als 40 Jahren werden hier im Theater am Dom erfolgreich Komödien gespielt. Und auch die Zukunft ist längst Gegenwart. René Heinersdorff und Oliver Durek, die nächste Generation in der Theaterleitung, sorgen dafür, dass es auch weiterhin im THEATER AM DOM „gute Unterhaltung“ gibt. 

Lokalzeit aus Köln
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fbfb
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